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Kriegerdenkmal 1. Weltkrieg

Die drei Tafeln sind Teil einer Gedenkstätte, die sich am katholischen Friedhof Bad Radkersburgs befindet und am 2. November 1929 durch eine Feier der damaligen paramilitärischen Wehrverbände am Friedhof und am Hauptplatz der Stadt der Öffentlichkeit übergeben wurde. Das Denkmal weist auf die Gefallenen des 1. Weltkrieges und des Radkersburger Abwehrkampfes vom 4. Februar 1919 hin. Im Zentrum der Anlage am Friedhof beschirmt ein monumentaler Adler aus Stein symbolisch die Opfer des Krieges. Die Gedenktafeln aus ungarischem Rotmarmor am Turm des Rathauses wurden als Mahnmal entworfen. Der sogenannte Rufer über dem Fenstergeschoß, eine Kriegerhalbfigur aus Bronze, erinnert warnend an die Toten des 1. Weltkrieges und des Abwehrkampfes, indem er mit einer Hand auf die Tafeln mit den Namen der Gefallenen zeigt. Das Denkmal am Turm wurde nach einer mehrjährigen Diskussion architektonisch von Rudolf Hofer, künstlerisch hingegen von Bildhauer Hans Mauracher gestaltet, der Mitglied der Grazer Sezession war. Die Sprüche auf den Tafeln stammen von Fritz Oberdorfer und sind Ausdruck der damaligen Erinnerungskultur. Sie vermitteln keine Nähe zum Nationalsozialismus. Das Wort „Führer“ steht in Verbindung mit einem Geleitspruch im Fresko Fritz Silberbauers im Obergeschoß des Turmzimmers und bezieht sich auf Dr. Franz Kamniker. 

Enthüllung des Denkmals, 3. November 1929. MiaZ
Enthüllung des Denkmals, 3. November 1929. MiaZ

Dr. Franz Kamniker wurde am 16. September 1870 in Radkersburg als Sohn eines Kaufmanns geboren.1877 zog die Familie nach Graz. Seine Schulausbildung erfolgte deshalb in der Landeshauptstadt, wo er im Juli 1889 am Lichtenfelsgymnasium maturierte. Als junger Medizinstudent schloss er sich der Burschenschaft Marcho-Teutonia an, die seine Weltanschauung wesentlich beeinflusste. Kamniker promovierte im März 1895 zum Doktor der gesamten Heilkunde und wurde zwei Jahre später als Hilfsarzt im Radkersburger Landeskrankenhaus angestellt. 1899 wurde er hier zum Primar der chirurgischen Abteilung bestellt und in Anerkennung seiner Verdienste 1918 mit dem Berufstitel Medizinalrat ausgezeichnet.

Von Anfang an stand Dr. Kamniker im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Er engagierte sich in verschiedenen bürgerlichen Vereinen und wurde 1901 in die Stadtvertretung gewählt. Als Mitglied des Gemeindeausschusses bemühte er sich, allerdings vergeblich, die Randlage Radkersburgs durch Eisenbahnprojekte zu beseitigen. 1913 stieg Dr. Kamniker in der Gemeindepolitik zum Bürgermeisterstellvertreter auf. Als genauer Kenner des Grenzgebietes und seiner Menschen trat er im Dezember 1918 als entschiedener Gegner der slowenischen Besetzung Radkersburgs auf.

Dr. Franz Kamniker wurde nach heftigem internen politischen Tauziehen Anfang Mai 1919 von der deutschösterreichischen Bundesregierung als Mitglied der deutschösterreichischen Friedensdelegation zum Vertreter der besetzten Untersteiermark bestimmt. Er reiste am 12. Mai 1919 durchaus optimistisch mit der deutschösterreichischen Abordnung zu den Friedensverhandlungen nach Paris. Am 2. Juni 1919 wurde der Delegation im Schloss von St. Germain der erste Teil der vorläufigen Friedensbedingungen überreicht, durch welche die gesamte Untersteiermark mitsamt Radkersburg dem SHS-Königreich zugesprochen wurde. Trotz deutschösterreichischer Gegendarstellung bestätigten die vollständigen Friedensbedingungen vom 20. Juli 1919 die bereits bekannten territorialen Verluste. Der deutschösterreichischen Antwort vom 6. August 1919 wurde die von Dr. Kamniker verfasste „Denkschrift über die Steiermark“ vollinhaltlich beigegeben und die Friedenskonferenz änderte letztlich ihre Ansicht und sprach Radkersburg Österreich zu. Dr. Kamnikers Argumente mussten überzeugt haben, denn die die Stadt Radkersburg betreffende Korrektur war die einzige Grenzänderung gegenüber den vorher gemachten Vorschlägen.

Dr. Franz Kamniker genoss in der Folge höchste Autorität und Ansehen in Radkersburg. Im Mai 1921 avancierte er zum Bürgermeister der Stadt Radkersburg und zog 1923/ 24 sogar kurzfristig in den steiermärkischen Landtag ein. Mit seinem Tod am 2. Februar 1928 wurde eine Epoche im politischen Leben Radkersburgs zu Grabe getragen.

Literatur:

Bettina HABSBURG-LOTHRINGEN/Beatrix VREČA, Bad Radkersburg. Stadt und Region. Bad Radkersburg (2009).

Hermann KURAHS, Grundzüge der Geschichte Bad Radkersburgs. In: Kurahs, Reidinger, Szedonja, Wieser (Hg): Bad Radkersburg. Naturraum und Bevölkerung, Geschichte, Stadtanlage, Architektur. Bad Radkersburg (1997).

Hermann KURAHS, Die Radkersburg-Frage auf der Friedenskonferenz von Saint-Germain-en-Laye. In: Im Brennpunkt des Geschehens/V žarišču dogodkov, Bad Radkersburg (2018).

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